RESIDENZ MILA HUNDERTMARK

LEBENSFÄHIG.
Wir möchten nicht verrückt werden, oder zumindest nicht mehr als nötig.
Ein Recherchvorhaben von Mila Hundertmark und Ivana Rohr

Welche Ordnungssysteme bewahren uns davor, aus unserem eigenen sozialen Kontext zu kippen und wo verlaufen die Grenzen unserer unterbewussten Strategien? Wie machen wir uns selbst lebensfähig mittels der Ritualisierung unseres Alltags. Und was heißt Alltag in diesem Kontext überhaupt?

Ursprünglich steht das Ritual oder Ritus eher in religiös geprägtem Kontext,
das zeremoniell-festlich abgehalten wird. In unserer Alltagskultur geht dieser festliche Rahmen oder der Bezug zu einem Glaubensbekenntnis meist verloren. Nichtsdestotrotz, ist unser Leben sowohl im individuellen Rahmen, als auch aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive nach wie vor von rituellem Handeln geprägt. Vor allem im westlichen Konsumverhalten lassen sich rituelle Muster finden, die wiederum eine Symbolik aufweisen, die Rückschlüsse auf ein gesellschaftliches Konstrukt zulassen und in manchen Fällen möglicherweise sogar als Ersatz zu einem religiösen Ritus verstanden werden können.
Das Ritual als geregelter und gelernter Kommunikationsablauf, macht es uns an vielen Stellen erst möglich Beziehungen zu Menschen uns Systemen herzustellen und wird deshalb im Fokus unserer Arbeit stehen.
Auf Basis dieser theoretischen und künstlerischen Forschung möchten wir eine Performance entwickeln, die im Jahr 2018 Premiere haben soll. Wir werden dabei mit Live-Aktion, Mehrkanal-Video, Audio, Raum und Text arbeiten.
Mila Hundertmark
*1985 in Emden als Mila Burghardt,
ist Video- und Performance-Künstlerin. Ihre Arbeiten setzen sich mit Macht, Gesellschaft und Individuum auseinander. Immer auf der Gratwanderung von Ironie und Bitterernst. Leichtigkeit mit Bodensatz. Klang, Video, Animation, Text und Live-Aktion in Projektion fließen in ihren Performances zusammen. Mila Hundertmark studierte Medienkunst an der Bauhaus-Universität Weimar, heute lebt und arbeitet sie vorwiegend im Rhein-Main-Gebiet.
Ivana Rohr
*1984 in Darmstadt hat Literarisches Schreiben an der Universität Hildesheim studiert und lebt und arbeitet derzeit in Berlin. Ihre Arbeiten haben immer einen Fokus auf die Inszenierung von Text und Raum und wie diese beiden Dinge im Verhältnis zueinander stehen. Mittels Ton, Bild und Live-Performance konstruiert sie immersive und interaktive Textinstallationen.

       

 

RESIDENZ FRIEDERIKE THIELMANN

DER PHRYNE-EFFEKT

Die Metapher der Gerechtigkeit ist eine Frau, im Prozess der Rechtssprechung jedoch sind sie problematisch als Verführerinnen und leicht Verführbare. Das szenisches Forschungsvorhaben DER PHRYNE-EFFEKT untersucht ausgehend von dem Fall der Hetäre Phryne aus dem 4. Jhd. v. Chr. den Zusammenhang von Affekt und Rechtssprechung unter dieser genderpolitischen Agenda.

Friederike Thielmann arbeitet als Dozentin an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt im Fachbereich Regie und als freie Dramaturgin. Zudem entwickelt sie Formate zur Produktion und Präsentation von Theater und Performance mit einem besonderen Interesse für Reflexion von Kunstpraxis und Kunsttheorie (RECHERCHEN11/ 2011 in Zusammenarbeit mit Esther Boldt, Implantieren auf Naxos / 2013 in Zusammenarbeit mit Norbert Pape).